.
Verein zur Förderung des Betreuungshofes Rottmoos e.V.
       

Die neue Kapelle

Richtfest

       

 

 

01 richtfest-titel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

001 richtfest002 richtfest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

003 richtfest004 richtfest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

005 richtfest

006 richtfest

 

 

 

 

 

 

  

 

 

007 richtfest 008 richtfest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neue Kapelle

Die Kapellenfenster

       

 

 

01 kapellenfenster-titel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter Anleitung des Künstlers H.-G. Lehmann haben hör- und sprachgeschädigte Kinder und Jugendliche
kleine Glasscheiben bemalt, die dann zu einem Fenster zusammengesetzt wurden.

001 projektarbeit Fenster002 projektarbeit Fenster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

003 projektarbeit Fenster004 projektarbeit Fenster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

005 projektarbeit Fenster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neue Kapelle

Sonnenuhren

       

 


Die Beiträge 1, 3 und 4 stammen von dem Mathematiker Willy Bachmann, Richrath bei Düsseldorf. Er ist Konstrukteur und Gestalter der beiden Sonnenuhren am Turm der Kapelle Rottmoos.
Willy Bachmann konstruiert und berechnet Sonnenuhren seit 1980; die bekanntesten stehen im Terrassengarten des ehemaligen Zisterzienserklosters Kamp am Niederrhein und an der Rheinuferpromenade in der Düsseldorfer Altstadt.
Er ist Mitglied im Fachkreis Sonnenuhren in der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie und Mitverfasser des Standardwerks über die Sonnenuhren in Deutschland und der Schweiz (erschienen 1994).

Der Beitrag (5) erschien in der Wasserburger Zeitung, Pfingstausgabe 2014.

 

 

 

Die neue Kapelle

Die Sonnenuhren der Kaplle in Rottmoos, Bilder

       

 

Wegender besonderen Ausrichtung sind am Turm der Rottmooser Kapelle zwei Sonnenuhren angebracht - eine an der Ostwand und eine der Westwand.
Sie sind als gravierte Metallplatten ausgeführt, die u. a. das Logo des Fördervereins zeigen.

 

 

 

turm-sonnenaufgang-links-1Die Sonnenuhr an der Ostwand des Turms uhr-sonnenaufgang-rechts-1
zeigt die Stunden seit Sonnenaufgang an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

turm-sonnenuntergang-links-2 Die Sonnenuhr auf der Westseite zeigtuhr-sonnenuntergang-rechts-2
an, wie viele Stunden noch verbleiben
bis die Sonne untergeht.

 

 

 

 

 

 

 

Die neue Kapelle

Zur Geschichte der Sonnenuhren

       

 

Sonnenuhren sind bereits seit der Steinzeit bekannt. Diese ersten Sonnenuhren dienten lediglich zur Anzeige oder Feststellung von kalendarischen Informationen, die dem jahreszeitlichen Stand der Sonne entsprachen wie zum Beispiel Sonnen-wenden (heute dem Sommeranfang am 21. Juni und dem Winteranfang am 21. Dezember entsprechend) oder Tagundnachtgleichen (Frühlings-/Herbstanfang). Man bezeichnet diese frühen Sonnenuhren daher auch als Sonnenobservatorien.

Das älteste bekannte derartige Observatorium befindet sich 01 goseckbei Goseck in Sachsen-Anhalt; es ist ein kreisförmiges Erdwerk mit Palisadenringen, stammt aus der Zeit um 4800 v. Chr. und ist damit rund 2000 Jahre älter als das bekanntere Kalenderwerk Stonehenge in England in Form einer monumentalen Steinsetzung.

 

 

 

 

Sonnenuhren mit einer Tageseinteilung sind seit der Antike bekannt. 02 aegypt-sonnenuhrVermutlich waren die Ägypter die ersten, die Sonnenuhren mit einer Stundeneinteilung verwendeten. Die älteste bekannte Sonnenuhr mit einer Tagesstundeneinteilung stammt aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. aus der Zeit des Pharaos Thutmosis III. Bei den Ägyptern dienten auch Obelisken als monumentale Schattenwerfer zur Zeitanzeige auf öffentlichen Plätzen.

 

 

In der Barockzeit, der Blütezeit der Sonnenuhren, fand man die lautlosen 03barocke-sonnenuhrZeitanzeiger an fast jeder Kirche oder Kapelle. Die Sonnenuhren waren die öffentlichen Uhren dieser Zeit, denn mechanische Uhren waren sehr teuer, und nicht jede Pfarrei oder Gemeinde konnte sich eine solche leisten. So wurden Sonnenuhren meist auf eine nach Süden ausgerichtete Kirchenwand gemalt und mit einer religiösen Darstellung oder künstlerischen barocken Elementen verziert. Eine Zeitangabe auf eine volle oder halbe Stunde war dabei völlig ausreichend.

 

 

Mit der Einführung der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) - notwendig geworden vor allem durch die Eisenbahnfahrpläne - als gesetzliche Zeit zum 1. April 1893 war in Deutschland das Ende der Sonnenuhren gekommen. Denn die MEZ richtet sich nicht mehr nach dem Stand der Sonne am jeweiligen Ort (Wahre Ortszeit), sondern es wurde für ganz Mitteleuropa die Wahre Ortszeit des 15. Meridians (Görlitz/Zgorzelec an der Lausitzer Neiße in Deutschland/Polen) verbindlich. Praktisch alle Sonnenuhren gingen durch diese Festlegung „falsch“.

Heute gibt eine hochgenaue Atomuhr die Zeit vor und nicht mehr die Sonne; allerdings wird die durch die Atomuhr gezählte Zeit regelmäßig am Sonnenstand - letzlich also an einer Sonnenuhr - korrigiert. Diese Korrektur wird notwendig durch die ständige Verlangsamung der Erdrotation.

 

Zeitanzeige an Sonnenuhren

Neben der Anzeige der Wahren Ortszeit ist die Anzeige von „Babylonischen Stunden“ und „Italischen Stunden“ verbreitet.

Babylonische Stunden

Eine Zeitanzeige, bei der die Stundenzählung des Tages mit dem Sonnenaufgang beginnt, heißt in der Fachsprache der Gnomonik* „Zeitanzeige in babylonischen Stunden". Das ist eine Reminiszenz an die alten Babylonier, die in der Antike exakt funktionierende Sonnenuhren entworfen und hergestellt haben. Auch Ägypter, Römer und Griechen zählten die Zeit ab dem Sonnenaufgang.
                                                                                     *Gnomonik ist die Lehre von den Sonnenuhren

05 scheyern-3

04 muenchen-frauenkircheIn Oberbayern sind zahlreiche historische Sonnenuhren mit der Anzeige derbabylonischen Stundenzählung erhalten geblieben, z. B. an der
- Kirche in Kirchdorf bei Haag (mit einer Stundenzählung
   von 1 bis 10)
- Frauenkirche in München (Bild)
- Benediktinerabtei Scheyern (Klausur, Innenhof).

 

Symbolik der Babylonischen Stunden
Die aufgehende Sonne soll den Beginn unseres Lebens darstellen. Die Stunden, die aufwärts gezählt werden, können wir auch als die Meilensteine im Laufe unseres Lebens auffassen. Nach den ersten 6 Meilensteinen (als Stunden dargestellt) läuft der Schatten aus dem Zifferblatt heraus - der weitere Verlauf und das Ende unseres Lebens ist unbestimmt.


Italische Stunden
Eine Zeitanzeige, bei der der Sonnenuntergang den Anfangs- und Endpunkt der Stundenzählung darstellt, heißt in der Fachsprache der Gnomonik "italische Stunden". Diese Bezeichning  ist eine Erinnerung an das ehemalige Volk der Italiker, die in vorrömischer Zeit einen Teil der italischen Halbinsel besiedelten. Noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war diese Art der Zeitanzeige in Italien und der Schweiz, vor allem im Tessin, gebräuchlich. Die Bauern und Reisenden konnten damit direkt ablesen, wieviel Zeit bis zum Sonnenuntergang verbleibt, um z. B. noch auf dem Feld arbei-ten zu können, oder ob es möglich war, einen Bergpass noch vor Eintritt der Dämmerung zu überqueren.

In Italien und anderen Ländern des Mittelmeerraums gilt der Sonnenuntergang noch heute als Höhepunkt des Tages, zu dem sich die Familie nach der Arbeit auf der "Piazza", dem öffentlichen Platz, trifft.

Da der Sonnenuntergang kein feststehender Termin ist, sondern sich jeden Tag zeitlich verschiebt, hatte Johann Wolfgang von Goethe auf seinen Reisen nach Italien große Schwierigkeiten beim Verständnis dieser Stundenzählung. Gegenüber seiner Taschenuhr läuteten die Glocken zu scheinbar unerklärlichen sich ändernden Zeiten. In seinem "Tagebuch der italienischen Reise 1786" beschreibt er seine Probleme und versucht die Zeitrechnung mit Hilfe einer selbstgeschaffenen Umrechnungstabelle zu verstehen.

 

Die historischen Sonnenuhren an der Münchener Frauenkirche und im Innenhof der Benediktinerabtei Scheyern zeigen (auch) italische Stunden an.

 

Symbolik der Italischen Stunden
Die untergehende Sonne soll das Ende unseres Lebens darstellen. Die Sonnenuhr zeigt uns an, dass die Zeit verrinnt. Der Lichtfleck des Gnomons läuft dabei rückwärts zählend durch die Stundenlinien: Es ist ein Countdown bis zum Untergang, währenddessen sich der Mensch Gedanken über den ausstehenden Teil seines Lebens machen soll. Ist der (Sonnen-) Untergang erreicht, beginnt am nächsten Morgen ein neuer Zyklus (siehe Babylonische Stunden).

Neben der Wahren Ortszeit, den Babylonischen und Italischen Stunden gibt es noch viele andere Anzeigemöglichkeiten, so dass manche Sonnenuhrzifferblätter ein (für den Laien) unübersichtliches Gewirr von Geraden und Kurven sind.