Verein zur Förderung des Betreuungshofes Rottmoos e.V.

  

Die neue Kapelle

  

Die Sonnenuhren der Kaplle in Rottmoos

       

 

Wegen der besonderen Ost-West-Ausrichtung des Turms der Rottmooser Kapelle sind zwei Sonnenuhren angebracht - eine an der Ostwand und eine an der Westwand des Turms.
Sie sind als gravierte Metallplatten ausgeführt, die u. a. das Logo des Fördervereins zeigen.

 

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Die Sonnenuhr an der Ostwand des Turms zeigt die Stunden seit Sonnenaufgang an.

 

 

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 Die Sonnenuhr auf der Westseite zeigt an, wie viele Stunden noch verbleiben bis die Sonne untergeht.

 

Zu Gestaltung, Technik und Symbolik der Rottmooser Sonnenuhren

Standort der Sonnenuhren

  • Zwillingssonnenuhr an der Ost- und Westwand des Turms der Kapelle beim Betreuungshof Rottmoos am westlichen Stadtrand von Wasserburg am Inn
  • Die geographische Koordinaten des Standorts - 48° 4' nördliche Breite, 12° 12' östliche Länge - sind auf beiden Sonnenuhren eingraviert.
  • Postalische Anschrift: 83512 Wasserburg am Inn, Rottmoos 4.
  • Die Sonnenuhren wurden in der Zeit vom 7. bis 12. August 2012 am Kapellenturm angebracht und justiert.

Art der Sonnenuhren

  • Vertikale Sonnenuhren mit ebenem Zifferblatt.
  • Exakt ausgerichtet nach Osten und Westen (Ostuhr und Westuhr).
  • Der Schattenwerfer ist ein sogenannter "Lochgnomon", das ist ein Schattenwerfer in Form einer Lochscheibe, dessen Loch bei Sonnenschein einen Lichtfleck auf dem Zifferblatt erzeugt und somit die Zeit anhand der Stundenlinien abgelesen werden kann.
  • Der Lochgnomon symbolisiert als 16-zackiger Stern die lebensspendende Sonne.

Der Begriff "Gnomon" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Erkenner" oder "Beurteiler". Die daraus abgeleitete Gnomonik ist die Lehre von den Sonnenuhren, der ältesten Wissenschaft der Menschheitsgeschichte, heute ein Teilgebiet der Astronomie.

Symbolik der Sonnenuhren

Der Mensch, der Betrachter, soll sich im Zeitalter von Hektik, Stress und Zeitdiktat an das natürliche Leben erinnern. Es wird daher nicht die gesetzliche Zeit angezeigt, sondern ein Bezug zum natürlichen Tagesablauf hergestellt. Die Licht- und Lebens-spenderin Sonne weist uns nämlich auch darauf hin, dass das Leben ein Zyklus ist, der durch den Tag dargestellt wird - mit einem Anfang und einem Ende.
Die Sonnenuhren an der Rottmooser Kapelle zeigen uns an, wieviel Zeit seit dem Sonnenaufgang bereits vergangen ist und wieviel Zeit uns noch bis zum Sonnenuntergang verbleibt.
Die Zeit ist die härteste Währung der Welt. Sie ist unwiederbringlich. Wir können sie weder umtauschen noch zurückholen. Wir sollten sie nutzen, bevor es zu spät ist!

Künstlerische Darstellung

Beherrschendes Element der beiden Sonnenuhren ist die Bildmarke des Vereins zur Förderung des Betreuungshofes Rottmoos e. V.:

  • dargestellt ist ein liegendes, offenes Ohr als Symbol für die im nebenstehenden Hof betreuten behinderten Gehörlosen;
  • eine Sonne scheint über den stilisierten Konturen des Betreuungshofes Rottmoos;
  • daneben eine Wolke als Zeichen, dass es nicht nur Sonnenschein gibt.

Die Gestaltung der Bildmarke stammt von dem Künstler Günter Lehmann aus Obing, der früher als Kunsterzieher tätig war.

Konstruktion und gnomonische Berechnungen

  • Konstrukteur und Gestalter der beiden Sonnenuhren ist der Mathematiker Willy Bachmann aus Richrath (bei Düsseldorf).
  • Er konstruiert und berechnet Sonnenuhren seit 1980; die bekanntesten stehen im Terrassengarten des ehemaligen Zisterzienserklosters Kamp am Niederrhein und an der Rheinuferpromenade in der Düsseldorfer Altstadt.
  • Willy Bachmann ist Mitglied im Fachkreis Sonnenuhren in der Deutschen Gesell-schaft für Chronometrie und Mitverfasser des Standardwerks über die Sonnenuh-ren in Deutschland und der Schweiz (erschienen 1994).
  • Metallarbeiten und Gravuren.
  • Die Oberfläche der 15 Millimeter starken Edelmetallplatten ist aufgerauht, damit der Schatten und der Lichtfleck des Lochgnomons deutlich zu erkennen ist.
  • Die Gravierung der Linien wurde mit einer Tiefe von 3 Millimetern ausgeführt; damit ist die Sonnenuhr ohne weiteren Farbauftrag dauerhaft witterungsbeständig und wartungsfrei.
  • Bei der gravierten Bildmarke, den Inschriften und der Lineatur ist das blanke Me-tall sichtbar; dadurch entsteht beim Blick nach oben auf die Sonnenuhren ein deut-licher Kontrast gegen die Oberfläche des Zifferblatts.
  • Die Metallarbeiten und die Gravuren führte der Graveurmeister Michael Splittorf aus Oberhausen (Ruhrgebiet) aus.

Inschriften

Auf den beiden Sonnenuhren sind vermerkt:

  • der Standort Rottmoos
  • die zugehörigen geographischen Ortskoordinaten
  • die Initialen des Konstrukteurs
  • das Konstruktionsjahr (MMXI = 2011).

Das umlaufende Schriftband auf dem begrenzenden Rahmen enthält weitergehende Informationen zu den Personen, die bei der Realisierung der Sonnenuhren beteiligt waren:

  • "Gestaltung der Bildmarke des Vereins zur Förderung des Betreuungshofes Rottmoos e. V.: Günter Lehmann, Obing"
  • "Gnomonische Berechnungen: Willy Bachmann, Richrath"
  • "Gravur: Michael Splittorf, Oberhausen"
  •  "Diese Sonnenuhr ist registriert unter der Kennung DGC 14255 beim Fachkreis Sonnenuhren in der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie e. V. - 2012"
                (auf der Ostuhr lautet die Kennung: "... DGC 14256 ...").

Die Ostuhr

  • Zeigt die seit dem Sonnenaufgang vergangenen Stunden an (Babylonische Stunden).
  • Die Anzeige reicht vom Sonnenaufgang am Horizont (waagerechte Linie) bis ma-ximal 6½ Stunden nach Sonnenaufgang.
  • Die Anzeige der Stunden ist jahreszeitunabhängig.
  • Die vollen Stunden sind mit durchgehenden Linien dargestellt; die halben Stunden mit punktierten Linien.
  • Die gebogene Linie, die links die Stundenlinien begrenzt, ist die Kurve (Hyperbel) der Sommersonnenwende: Am 21. Juni läuft der anzeigende Lichtfleck des Loch-gnomons entlang dieser Linie von links oben nach rechts unten.
  • Die gerade Linie, die links von der Bildmarke an der waagerechten Horizontlinie beginnt und nach rechts unterhalb der Ziffer "5" zum Rand des Zifferblatts verläuft, stellt die Tagundnachtgleichen dar. Am 21. März (Frühjahrstagundnachtgleiche, Frühlingsanfang) und am 23. September (Herbsttagundnachtgleiche, Herbstan-fang) läuft der anzeigende Lichtfleck des Lochgnomons genau entlang dieser Linie.

Symbolik der Ostuhr

Die aufgehende Sonne soll den Beginn unseres Lebens darstellen. Die Stunden, die aufwärts gezählt werden, können wir auch als die Meilensteine im Laufe unseres Lebens auffassen. Nach den ersten sechs Meilensteinen (als Stunden dargestellt) läuft der Schatten aus dem Zifferblatt heraus - der weitere Verlauf und das Ende unseres Lebens ist unbestimmt.

Die Westuhr

  • Zeigt die bis zum Sonnenuntergang verbleibenden Stunden an (Italische Stunden).
  • Die Stundenanzeige auf der Rottmooser Sonnenuhr reicht von maximal 6½ Stun-den bis zum Sonnenuntergang am Horizont (waagerechte Linie).
  • Die Anzeige der Stunden ist jahreszeitunabhängig.
  • Die vollen Stunden sind mit durchgehenden Linien dargestellt; die halben Stunden mit punktierten Linien.
  • Die gebogene Linie, die rechts die Stundenlinien begrenzt, ist die Kurve (Hyperbel) der Sommersonnenwende: Am 21. Juni läuft der anzeigende Lichtfleck des Lochgnomons entlang dieser Linie von unten nach rechts oben.
  • Die gerade Linie, die rechts von der Bildmarke an der waagerechten Horizontlinie beginnt und nach links unterhalb der Ziffer "5" zum Rand des Zifferblatts verläuft, stellt die Tagundnachtgleichen dar. Am 21. März (Frühjahrstagundnachtgleiche, Frühlingsanfang) und am 23. September (Herbsttagundnachtgleiche, Herbstan-fang) läuft der anzeigende Lichtfleck des Lochgnomons genau entlang dieser Linie.

Symbolik der Westuhr

Die untergehende Sonne soll auch das Ende unseres Lebens darstellen. Die Sonnenuhr zeigt uns an, dass die Zeit verrinnt. Der Lichtfleck des Gnomons läuft dabei rückwärts zählend durch die Stundenlinien: Es ist ein Countdown bis zum Untergang, währenddessen sich der Mensch Gedanken über den ausstehenden Teil seines Lebens machen soll. Ist der (Sonnen-) Untergang erreicht, beginnt am nächsten Morgen ein neuer Zyklus (siehe Beschreibung zur "Ostuhr").

Anmerkung

Wer die Stundenlinien der beiden Sonnenuhren auf der Ost- und Westseite des Turms vergleicht, stellt fest, dass sie spiegelbildlich sind. Das liegt daran, dass der scheinbare Weg der Sonne beim Sonnenuntergang ebenfalls ein Spiegelbild zu dem Weg beim Sonnenaufgang ist. Die zeitliche Mitte zwischen dem Auf- und Untergang der Sonne, also der "Spiegel", ist der Wahre Mittag, zu dem die Sonne genau im Sü-den steht und den höchsten Punkt ihrer Tagesbahn erreicht. Früher zeigten die Sonnenuhren diesen wichtigen Zeitpunkt mit "XII Uhr" an; in unserem heutigen modernen Zeitsystem ist dieser Bezug jedoch verloren gegangen. In Rottmoos wäre dieser Zeitpunkt um ca. 12:11 Uhr MEZ erreicht, zur Sommerzeit um ca. 13:11 Uhr MESZ.

  

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Die Sonnenuhren

       

 


Die Sonnenuhren am Kapellenturm wurden von dem Mathematiker Willy Bachmann, Richrath bei Düsseldorf, konstruiert und gestaltet.

Willy Bachmann berechnet und konstruiert Sonnenuhren seit 1980; seine bekanntesten stehen im Terrassengarten des ehemaligen Zisterzienserklosters Kamp am Niederrhein und an der Rheinuferpromenade in der Düsseldorfer Altstadt.

Willy Bachmann ist Mitglied im Fachkreis Sonnenuhren in der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie und Mitverfasser des Standardwerks über die Sonnenuhren in Deutschland und der Schweiz*. .

 

  * Sonnenuhren Deutschland und Schweiz;
Katalog der ortsfesten Sonnenuhren in Deutschland und der Schweiz mit einer Einführung in die Sonnenuhren-Kunde
Hugo Philipp; Daniel Roth; Willy Bachmann, 1994
   

 

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Sonnenuhren in Wasserburg  

   

Auszug aus einem Vortrag von Willy Bachmann, Richrath, gehalten am 26. September 2012 in Wasserburg mit dem Titel „Sonnenuhren in Rottmoos, Wasserburg und Oberbayern – Zur Geschichte eines Kulturguts“.


In Wasserburg am Inn sind neun bedeutende Sonnenuhren bekannt. Es sind
- vier historische Sonnenuhren aus dem 15. bis 19. Jahrhundert
- eine erneuerte Sonnenuhr an der Stelle einer historischen Sonnenuhr
- zwei moderne Sonnenuhren aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
- zwei moderne Sonnenuhren an der Kapelle von Rottmoos von 2012.

Damit ist Wasserburg eine im deutschen Vergleich herausragend sonnenuhrfreundliche Stadt, es kommt ungefähr eine Sonnenuhr auf 1300 Einwohner. Das ist etwa das 5-fache des deutschen Durchschnitts mit einer Sonnenuhr pro 6500 Einwohner.
Als historische Sonnenuhren bezeichnen wir solche, die noch vor der Einführung der gesetzlichen Zonen-Zeit MEZ (1893) hergestellt wurden und die Wahre Ortszeit (hier: Wahre Ortszeit von Wasserburg) anzeigen.

 

Zu den historischen Sonnenuhren von Wasserburg

  • Die älteste Sonnenuhr von Wasserburg befindet sich an der 01 Wasserburg-InntorInnseite des Brucktors, ganz oben unterhalb des Zinnenkranzes. Sie stammt vermutlich aus den 1560er Jahren, wurde mehrfach restauriert und zeigt die Wahre Ortszeit von Wasserburg an. Unter dem Zifferblatt befindet sich der denkwürdige Spruch „Die Sonn keen Stund zeigt an, wo man nit Sterben kann“.
  • Die kürzlich restaurierte Sonnenuhr am Schloss Weikertsham dürfte ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert, der Entstehungszeit des Gebäudes, stammen.
  • An der Südseite der Kirche des Klosters Attel befindet sich eine barocke Sonnenuhr aus dem Jahr 1713, jedoch in mangelhaftem Zustand; die bildliche Darstellung ist gar nicht mehr, die Bezifferung kaum noch zu erkennen.
  • Am Kaspar-Aiblinger-Platz in der Altstadt, am Haus des Malers Breit, gibt die Inschrift auf dem Zifferblatt der Sonnenuhr an, dass diese 1881 entstanden und 2007 restauriert worden ist.

Auch die drei letztgenannten Sonnenuhren zeigen jeweils die Wahre Ortszeit von Wasserburg an.

 

Informationen zu den anderen Sonnenuhren von Wasserburg

Am Haus „Stechl Keller“ neben der Marienkirche wurde 2003 eine Sonnenuhr 02 wasserburg-stechl-keller-2angebracht, die eine Vorgänger-Uhr ersetzt. Sie zeigt die heutige Sommerzeit (Inschrift: „GMT+2H“ = Greenwich Mean Time + 2 Stunden) statt der früher üblichen Wahren Ortszeit an.

Künstlerisch gestaltete, interessante Sonnenuhren aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts finden wir

- am Luitpold-Gymnasium

Die Uhr am Gymnasium zeigt zusätzlich zu den Stunden des Tages die Sonnenwenden (21.6. und 21.12.) und die Tagundnachtgleichen (21.3. und 23.9.) an.

- an dem Privathaus „Am Wuhrbach 1“

Die in Gelb- und Rottönen gehaltene Uhr Am Wuhrbach zeigt auf dem großen Zifferblatt den Sonnengott Helios, der den von Flammen umgebenen Sonnenwagen lenkt.

- Kapelle des Betreuungshofs Wasserburg-Rottmoos

Eine völlig neue Zwillingssonnenuhr (errichtet 2012) befindet sich am Turm der Kapelle des Betreuungshofs Rottmoos-Wasserburg.

  

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Zur Geschichte der Sonnenuhren  

      

Sonnenuhren sind bereits seit der Steinzeit bekannt. Diese ersten Sonnenuhren dienten lediglich zur Anzeige oder Feststellung von kalendarischen Informationen, die dem jahreszeitlichen Stand der Sonne entsprachen wie zum Beispiel Sonnen-wenden (heute dem Sommeranfang am 21. Juni und dem Winteranfang am 21. Dezember entsprechend) oder Tagundnachtgleichen (Frühlings-/Herbstanfang). Man bezeichnet diese frühen Sonnenuhren daher auch als Sonnenobservatorien.

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Das älteste bekannte derartige Observatorium befindet sich bei Goseck in Sachsen-Anhalt; es ist ein kreisförmiges Erdwerk mit Palisadenringen, stammt aus der Zeit um 4800 v. Chr. und ist damit rund 2000 Jahre älter als das bekanntere Kalenderwerk Stonehenge in England in Form einer monumentalen Steinsetzung.

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Sonnenuhren mit einer Tageseinteilung sind seit der Antike bekannt. Vermutlich waren die Ägypter die ersten, die Sonnenuhren mit einer Stundeneinteilung verwendeten. Die älteste bekannte Sonnenuhr mit einer Tagesstundeneinteilung stammt aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. aus der Zeit des Pharaos Thutmosis III. Bei den Ägyptern dienten auch Obelisken als monumentale Schattenwerfer zur Zeitanzeige auf öffentlichen Plätzen.

 

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In der Barockzeit, der Blütezeit der Sonnenuhren, fand man die lautlosen Zeitanzeiger an fast jeder Kirche oder Kapelle. Die Sonnenuhren waren die öffentlichen Uhren dieser Zeit, denn mechanische Uhren waren sehr teuer, und nicht jede Pfarrei oder Gemeinde konnte sich eine solche leisten. So wurden Sonnenuhren meist auf eine nach Süden ausgerichtete Kirchenwand gemalt und mit einer religiösen Darstellung oder künstlerischen barocken Elementen verziert. Eine Zeitangabe auf eine volle oder halbe Stunde war dabei völlig ausreichend.

 

Mit der Einführung der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) als gesetzliche Zeit zum 1. April 1893 - notwendig geworden vor allem durch die Eisenbahnfahrpläne - war in Deutschland das Ende der Sonnenuhren gekommen. Denn die MEZ richtet sich nicht mehr nach dem Stand der Sonne am jeweiligen Ort (Wahre Ortszeit), sondern es wurde für ganz Mitteleuropa die Wahre Ortszeit des 15. Meridians (Görlitz/Zgorzelec an der Lausitzer Neiße in Deutschland/Polen) verbindlich. Praktisch alle Sonnenuhren gingen durch diese Festlegung „falsch“.


Heute gibt eine hochgenaue Atomuhr die Zeit vor und nicht mehr die Sonne; allerdings wird die durch die Atomuhr gezählte Zeit regelmäßig am Sonnenstand - letzlich also an einer Sonnenuhr - korrigiert. Diese Korrektur wird notwendig durch die ständige Verlangsamung der Erdrotation.

 

Zeitanzeige an Sonnenuhren

Neben der Anzeige der Wahren Ortszeit ist die Anzeige von „Babylonischen Stunden“ und „Italischen Stunden“ verbreitet.

Babylonische Stunden

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Eine Zeitanzeige, bei der die Stundenzählung des Tages mit dem Sonnenaufgang beginnt, heißt in der Fachsprache der Gnomonik „Zeitanzeige in babylonischen Stunden" (Gnomonik ist die Lehre von den Sonnenuhren.). Das ist eine Erinnerung an die alten Babylonier, die in der Antike exakt funktionierende Sonnenuhren entworfen und hergestellt haben. Auch Ägypter, Römer und Griechen zählten die Zeit ab dem Sonnenaufgang.

 

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In Oberbayern sind zahlreiche historische Sonnenuhren mit der Anzeige derbabylonischen Stundenzählung erhalten geblieben, z. B. an der

  • Kirche in Kirchdorf bei Haag
    (mit einer Stundenzählung von 1 bis 10)
  • Frauenkirche in München (Bild rechts-oben)
  • Benediktinerabtei Scheyern (Bild rechts-unten).

 

Symbolik der Babylonischen Stunden
Die aufgehende Sonne soll den Beginn unseres Lebens darstellen. Die Stunden, die aufwärts gezählt werden, können wir auch als die Meilensteine im Laufe unseres Lebens auffassen. Nach den ersten 6 Meilensteinen (als Stunden dargestellt) läuft der Schatten aus dem Zifferblatt heraus - der weitere Verlauf und das Ende unseres Lebens ist unbestimmt.


Italische Stunden
Eine Zeitanzeige, bei der der Sonnenuntergang den Anfangs- und Endpunkt der Stundenzählung darstellt, heißt in der Fachsprache der Gnomonik "italische Stunden". Diese Bezeichning  ist eine Erinnerung an das ehemalige Volk der Italiker, die in vorrömischer Zeit einen Teil der italischen Halbinsel besiedelten. Noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war diese Art der Zeitanzeige in Italien und der Schweiz, vor allem im Tessin, gebräuchlich. Die Bauern und Reisenden konnten damit direkt ablesen, wieviel Zeit bis zum Sonnenuntergang verbleibt, um z. B. noch auf dem Feld arbei-ten zu können, oder ob es möglich war, einen Bergpass noch vor Eintritt der Dämmerung zu überqueren.

In Italien und anderen Ländern des Mittelmeerraums gilt der Sonnenuntergang noch heute als Höhepunkt des Tages, zu dem sich die Familie nach der Arbeit auf der "Piazza", dem öffentlichen Platz, trifft.

Da der Sonnenuntergang kein feststehender Termin ist, sondern sich jeden Tag zeitlich verschiebt, hatte Johann Wolfgang von Goethe auf seinen Reisen nach Italien große Schwierigkeiten beim Verständnis dieser Stundenzählung. Gegenüber seiner Taschenuhr läuteten die Glocken zu scheinbar unerklärlichen sich ändernden Zeiten. In seinem "Tagebuch der italienischen Reise 1786" beschreibt er seine Probleme und versucht die Zeitrechnung mit Hilfe einer selbstgeschaffenen Umrechnungstabelle zu verstehen.

Die historischen Sonnenuhren an der Münchener Frauenkirche und im Innenhof der Benediktinerabtei Scheyern zeigen (auch) italische Stunden an.

 

Symbolik der Italischen Stunden
Die untergehende Sonne soll das Ende unseres Lebens darstellen. Die Sonnenuhr zeigt uns an, dass die Zeit verrinnt. Der Lichtfleck des Gnomons läuft dabei rückwärts zählend durch die Stundenlinien: Es ist ein Countdown bis zum Untergang, währenddessen sich der Mensch Gedanken über den ausstehenden Teil seines Lebens machen soll. Ist der (Sonnen-) Untergang erreicht, beginnt am nächsten Morgen ein neuer Zyklus (siehe Babylonische Stunden).

Neben der Wahren Ortszeit, den Babylonischen und Italischen Stunden gibt es noch viele andere Anzeigemöglichkeiten, so dass manche Sonnenuhrzifferblätter ein (für den Laien) unübersichtliches Gewirr von Geraden und Kurven sind.

 Franz Meier

Quellen

  • Sonnenuhren Deutschland und Schweiz; Katalog der ortsfesten Sonnenuhren in Deutschland und der Schweiz mit einer Einführung in die Sonnenuhren-Kunde
    Hugo Philipp; Daniel Roth; Willy Bachmann, 1994
  • Google

   

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